War das schön heute, aber auch sehr warm und irgendwie anstrengend. Dennoch genoss ich es heute mal wieder mehr zu Fuß unterwegs zu sein. Nach dem Frühstück, es war eigentlich nicht möglich in dem Tanzsaal ein Gespräch mit dem englischen Pärchen zu halten, machte ich mich also auf den Weg zur Omaha Beach. Ich fing im Osten der Bucht an und schaute mir das Widerstandsnest 62 an. Eine Bunker- und Schützenanlage der Deutschen, die, so wurde mir heute erst klar, von Amerikanern bei der Landung nicht mit eingeplant war. Die 1. Red Division hatte hier die größten Verluste zu beklagen, und als ich oben auf der Anhöhe stand und die 50 m runter zum Strand schaute, wo auch gerade heute Niedrigwasser war wie bei der Landung, konnte ich mir nicht vorstellen wie das geschafft werden konnte bzw. unter welchen Verlusten die Erstürmung nur gelang. Allein an diesem Abschnitt sind innerhalb einer Stunde über 600 US-Soldaten von den insgesamt über 3.000 gefallen. Von den deutschen Verlusten weiß man recht wenig, hier schwanken die Zahlen zwischen 400 bis 2000.
Ich musste heute immer wieder an den Krieg in der Ukraine denken. Und wenn man den Zahlen glauben darf, fallen hier täglich mehrere 100 Soldaten! Wie schrecklich!
Auch fühlte ich mich an diesem geschichtsträchtigen Platz als Deutscher etwas unwohl. Als ich dann am Strand entlang zur Gedenkstelle wanderte traf ich auf einen Amerikaner. Sein Hund wollte mit mir spielen und er bemerkte mein Cap vom NFL Team Boston und meinte nur, ich hätte die falsche Kappe auf. Angekommen am Denkmal machte ich mich auf ins Museum. Und hier bemühte ich mich auf Französisch eine Eintrittskarte per Kreditkarte zu erstehen. Anscheinend war das zu gut, denn schon fing der Kassierer an mir auf Französisch irgendwas von einem Kino zu erklären bis ich ihn stoppte und fragte ob wir auf Englisch schwenken könnten. Im Museum war viel an Kriegsmaterial zu sehen, was aber viel interessanter war, war ein Film über +/- 3 Tage der Landung am 06.Juni. Und hier wurde mir erst klar mit welchen Risiken geplant wurde und auch unter welchen Voraussetzungen die US-Soldaten landeten. Auf die heftige Gegenwehr war nämlich keiner richtig vorbereitet gewesen. Anschließend fuhr ich noch zum Point du Hoc, wo sich eine mächtige Flakstellung befand. Hier haben die US Rangers die steilen Klippen empor klettern müssen, um die Anlagen zerstören zu können. Auch hier ging mir ein kalter Schauer über den Rücken.
Irgendwie hatte ich anschließend das Bedürfnis nach Bayeux in die Kathedrale zu fahren. Als ich eintrat, atmete ich erst mal die kühle, frische Luft ein und ließ mir einige Minuten Zeit, um wieder ein wenig mehr Frieden zu spüren.
Der Tag war doch recht anstrengend, zumal ich die gesamte Bucht, 6 km, barfuß am Strand zurück lief zum Parkplatz. Das war eine Primäre für mich. Die ganzen 51 Tage zuvor hatte ich nie die Gelegenheit und so war das ein tolles Gefühl den Sand unter meinen Füssen zu spüren.
Für den Abend hatte ich mir einen Tisch in einem französischen Restaurant
gebucht, auf Empfehlung der Gastgeberin vom B&B. Denn hier sollte es experimentelle
französische Gerichte geben. Das Restaurant lag etwas außerhalb vom Zentrum.
Als ich ankam war ich erst der 2.Gast. Schnell waren andere Plätze belegt und
der Koch erklärte auf Französisch die Menü-Karte. Bis auf das Wort
"Ananas" habe ich natürlich nichts verstanden. Umso erstaunlicher
fand ich es dann, dass er zu mir an den Tisch kam und die gesamte Prozedur dann
auf Englisch wiederholte. Drei Gänge später mit köstlichem Wein fühlte ich mich
nicht nur wie ein König sondern eher wie ein Kaiser. Verdammt war das ein gutes
Essen. Besonders der Rotwein zum Lamm war so lecker, dass ich ihn fragte wie
der denn hieße. So kamen wir in ein Gespräch und er erklärte mir, dass er viel
auf der Welt umher gekommen sei und so nun unterschiedlichste Kochkünste in
seinen Gerichten vereint. Auch hat er eine erstaunlich große Auswahl an Rum
Sorten. So bot er mir noch einen edlen Tropfen zum Abschied an und ich stieg
dann aufs Motorrad – keine Sorge, alles gut gegangen.
Apropos Motorrad, als ich heute meine Sachen für die Wanderung in meinem
Rucksack verstaute, dachte ich mir so, ich solle doch meinen Fahrzeugschein
mitnehmen. Siehe da, ich habe ihn nicht mehr. Er muss mir irgendwo in den
letzten 10.000 km aus der Beintasche gefallen sein. Na ja, solange ich nicht in
eine Verkehrskontrolle komme ist das nicht so schlimm. Eigentlich müsste ich
jetzt zur Polizei und das melden, nur wie ohne französische Sprachkenntnisse. Ich denke die nächsten 3 Tage werde ich auch
noch ohne ihn auskommen, und wenn es dann doch passiert, oh je, fällt es mir
dann erst auf.
Jetzt noch dreimal Motorradfahren, zwei weitere Übernachtungen, dann ist mein Abenteuer beendet. Wenn ich am Freitag nach Hause komme, soll es regnen! Bestimmt sogar!
Und hier die Bilder, die aber eigentlich nicht das wiedergeben können, was ich dort oben an der Bucht, gefühlt habe.
| Ausblick vom Widerstandsnest 62 |
| Bunker von innen |
| Ein extrem breiter Strand bei Niedrigwasser |
| Denkmal |
| Point du Hoc |
| Steilklippen wo die Rangers hoch mussten |
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