Mittwoch, 17. Juni 2026

2026 - Balkan - Tag 35 - Eine unerwartete Hilfe in Knin

Heute musste ich die wunderschöne und gemütliche Unterkunft in Split verlassen. Ich hatte mir aber zum Packen einen Schattenplatz vor dem Haus reserviert, denn es waren bereits ca. 25 Grad um 08:00 morgens. Die ersten Kilometer, ca. 50km, gingen über Asphalt und so konnte ich noch den Fahrtwind zur Kühlung spüren. Laut Navi sollte ich bereits um 11:00 an meinen Zielort in Knin ankommen, ich dachte nur "wie bekomme ich die Zeit um bis zum Check-In ab 14:00!" Aber da wusste ich noch nicht was auf mich zukam!

So ging es dann ab Kilometer 80 der restlichen Strecke auf den Schotter, erst moderat, aber je weiter ich mich in die Höhe schraubte wurde es immer kniffliger. Steile Anstiege und Abstiege mit groben Steinen, Treppenstufen aus Steinen, Matsch und Wasserlachen, wo ich nie genau wusste wie tief sie waren. Wenn es ging umfuhr ich sie lieber. So verstrich Stunde um Stunde, kein Mensch, kein Fahrzeug weit und breit, und dann auf einmal klapperte es links unter mir. Ich dachte nur: "Hoffentlich ist nicht der Schalthebel abgebrochen" - ich hatte mehrere Male mit dem Bodenschutz aufgesetzt - aber zum Glück war es "nur" der Seitenständer. Ich hielt an und schaute mir das Dilemma an. Am Seitenständer war die Schraube zur Aufnahme der Feder abgebrochen und die Feder war nicht mehr da. So ging ich die letzten 200m zurück und hoffte, das ich die Feder wieder finde. Aber erst beim Zurücklaufen entdeckte ich sie und war glücklich sie gefunden zu haben, denn irgendwie wäre das sicherlich zu reparieren, nur die Feder musste vorhanden sein.

Als Notlösung nahm ich einen Spanngurt und ab dann musste ich nach jedem Aufstieg mich nach unten bücken und den Gurt an der Fussraste einhacken - da wird man auf alle Fälle wieder sehr gelenkig!

Am "Blauen Auge" - ein kleiner See mit einer enormen Tiefe bestehend aus einer Felsspalte - traf ich den Kroaten wieder vom Svetje Jure, dem Guide einer Reisegruppe. Er erkannte mich und ich teilte ihm mein Missgeschick mit. Er gab mir zwei Telefonnummern, aus Knin und Zadar, hier sollte ich mal Nachfragen wegen Hilfe zur Reparatur.

So fuhr ich die nächsten Pisten etwas behutsamer, denn bei starken Erschütterungen sprang mir der Spanngurte immer wieder mal von der Fussraste ab. So kam ich noch zu meinem Highlight des Tages: Das Panzerschlachtfeld aus den 90er Jahren des Balkankrieges. Zum Glück sah ich das Schild über die Minenwarnung erst als ich wieder herausfuhr - aber ich hatte sowie so nicht vor die Wege zu den Panzern zu verlassen.

So kam ich dann doch erst gegen 16:30 an meiner Unterkunft an, zuvor versuchte ich noch in Knin den Kontakt zur Hilfe ausfindig zu machen, aber leider konnte er mir nicht helfen. So blieb nur noch der Kontakt in Zadar, und dies hiess für morgen einen Umweg von zusätzlich 200km zu machen.

Als ich eincheckte in der Unterkunft war auch die kroatische Verwandtschaft aus Amerika da und es stellte sich heraus, das der Schwager von Beruf Automechaniker ist. Kurzerhand ging er in die Garage, suchte das passende Werkzeug und keine halbe Stunde später war der Seitenständer repariert und eine Schraube hielt die Feder fest. Er ist mein Hero!

Morgen kann ich also dann ganz entspannt nach Karlobag an der Küste fahren über den  ACT Track 3 - aber wie ich es nun weiss, es kann auch sehr anstrengend werden.

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Dienstag, 16. Juni 2026

2026 - Balkan - Tag 34 - Einmal Split erkundet

Mein Plan für heute stand erstmal schon fest, denn zuerst sollte es zum Reifenhändler gehen und danach wollte ich einen Vape-Shop aufsuchen und mir ein Ersatzteil kaufen - am Shkodra See fiel mir meine E-Zigarette herunter und das Glas vom Verdampfer ging kaputt - ich hatte Ersatz, aber lieber noch einen Fallback haben.  Darüber hinaus war nichts geplant, also mal sehen was der Tag so bringt.

Um kurz vor 10:00 ging es dann los und der Reifenhändler war keine 10 Minuten von meiner Unterkunft entfernt. Angekommen, Reifen gewechselt und auch noch die Bremsbeläge vorne überprüft, die noch in einem guten Zustand sind nach nun mehr ca. 6.000km, ging es auf die Suche nach dem Vape-Shop. Nach etwas Suchen fand ich ihn auch und eine kompetente Verkäuferin, die auch noch sehr gut englisch sprach, konnte mir helfen. Danach beschloss ich in die Altstadt von Split zu fahren und wollte mal sehen wie weit ich hier komme. 

Wie in so vielen Städten ist die Einfahrt verboten und wird auch per Kameraüberwachung kontrolliert, was ich aber immer wieder toll finde in den südlichen Ländern, sie stellen ausreichend genügend Motorradstellplätze am Rand solcher Orte zur Verfügung und so war es nur ein kurzer Weg in die Altstadt.

Die Altstadt war voll von Touristen, überall liefen die Guides mit ihren Fähnchen oder Regenschirmen umher. Ich suchte mir kleine Gassen ausserhalb der Hauptwege und fand mich recht schnell in einem kleinen Cafe wieder, das ausserhalb des Mainstreams lag. Da die Altstadt auf der sommerlichen Residenz eines altrömischen Kaisers basiert, wollte ich noch in das Zentrum und die Historie besuchen. Und prompt lief ich in den Touristen-Auflauf. Schnell ein Gang um die Sehenswürdigkeiten, die hier aber kostenlos sind, und schon war ich wieder auf den Weg zu meiner Ferienwohnung.

Gestern bekam ich mit, dass die Vermieterin direkt neben meiner Wohnung einen Friseursalon betreibt. So fragte ich an, ob sie denn sich um mich kümmern könnte, speziell um meinen Bart. Keine Stunde später klingelte sie an meiner Tür und ich kam in ihren Salon, um mich herum neugierige Blicke der weiblichen Kundschaft, und als sie mir noch sagte, ohne Bart sähe ich jünger aus, war raz-faz mein vier Wochen alter Bart ab.

Morgen geht es nun auf den ACT Kroatien, auf den Track 4 - ich fahre die Route ja entgegengesetzt. Auch für die kommenden drei Nächte habe ich mir bereits Unterkünfte herausgesucht, denn zur Zeit fängt die Hochsaison an und schnell sind die Unterkünfte ausgebucht. Auch wird hier wie in Deutschland eine extreme Hitze erwartet.

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Montag, 15. Juni 2026

2026 - Balkan - Tag 33 - Endlich in Split angekommen

Der heutige Tag startete mit einer Überraschung. Ich hatte mir bereits überlegt, dass ich nach der Ankunft in Split erstmal das Moped sauber machen muss, denn der Dreck aus Griechenland haftete noch als eine Art Patina an allen Ecken und Kanten. Aber wie es der Zufall so will, ein bosnischer Landsmann, der in Eckernförde lebt, war auch im Hotel, angereist mit seinem Can-Am Spider - unter uns, ein Fahrzeug, das ich mir auch vorstellen könnte, wenn ich nicht mehr auf ein Moped steigen kann. Sei's drum, na jedenfalls fragte er ob ich nicht mein Moped putzen möchte, gleich hier ums Eck gäbe es eine Self-Service Waschanlage. Da ich aber keine bosnische Währung bei mir hatte, lud er mich dazu ein und brachte mich dort hin - seine Oma wohnt gleich ums Eck.

So ging es dann mit einem einigermaßen sauberen Moped schon zur Grenze nach Kroatien. Zwar musste ich dann hier etwas warten, da Reisebusse voll mit Asiaten vor mir dran waren, aber es war zum Glück noch nicht so heiß. 

Erstes Zwischenziel war der Sveti Jure, ein Gipfel mit ca. 1.700m Höhe direkt an der Küste. Angekommen hiess es erstmal 15€ bezahlen für die Auffahrt, die aber wirklich lohnenswert ist. Über enge Serpentinen und schmalen Passagen wo einem ausser Autos auch Pferde entgegen kommen können, ging es hoch hinauf zu erst zum Skywalk - ein Brückengeländer das als ein Bogen vor der Bergkante aufgespannt ist und man läuft auf Glasplatten über den freien Abhang des Berges - als ich fragte wer mit mir ein Jumping Spiel machen möchte, meldete sich keiner! Leider war dann die Auffahrt bis zum Gipfel gesperrt aufgrund von Sanierungsarbeiten auf der Strecke, selbst als Motorradfahrer käme man nicht durch. Na ja, schade drum aber dieses Abenteuer hatte ich bereist einige Kilometer zuvor. Schon bei der Anfahrt nach Makarska war es mir komisch vorgekommen, das ich kein einzigstes Fahrzeug mehr traf. Ich hatte wohl ein Zeichen übersehen, das darauf hinwies, diese Strasse endet in einer Sackgasse aufgrund von Arbeiten am Felsen. Als ich an der letzten Betonmauer ankam, schaute ich welche Alternativen es noch gäben könnte, aber es gab keine. Entweder liess ich den Sveti Jure aus oder ich fahre die gesamte Strecke zurück, und das waren etliche Kilometer. So beschloss ich einfach durchzufahren und zu schauen wie weit es für mich gehen würde. Ich kam an einer Klippe an, an der gerade Netze gespannt wurden über den Felsen, um Steinschlag auf die Straße zu verhindern. Ein Bauarbeiter kam auf mich zu und sagte, ich könne hier durchfahren, seitlich am Kran hin zur Kante, wo es steil nach unten ging, solle aber noch warten bis der Kranführer mir ein Zeichen gibt. Es dauerte etwas denn sie waren gerade dabei ein neues Netz über den Hang auszurollen und ich war erstaunt wie mühselig das ist. Ein Mitarbeiter war permanent dabei die Rolle am Hang gegen das Verhaken zu sichern und musste waghalsig hin und her springen am Hang. Aber nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich durchfahren und kam am Sveti Jure an.

Nach der Besichtigung des Berges ging es dann in einem lustigen Wechsel zwischen Küste und Hinterland bis nach Split zu meiner Ferienwohnung. Und ich muss sagen, als ich die sah war ich so happy, das ich gleich nach einer Verlängerung gefragt habe. Aber leider sind sie schon ausgebucht, so kann ich "nur" 2 Nächte hier hierbleiben. 

Morgen geht es dann zum Reifenhändler, schaue mir etwas Split an und mache ansonsten gar nichts - denn meine Wäsche habe ich bereits heute gewaschen und herrlich wie sie wieder riecht!

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