Donnerstag, 12. Oktober 2023

2023 - Meine Touren in diesem Jahr

Diese Jahr stand viel Off-Road an. Endlich wollte ich nun mal meine erweiterten Erfahrungen in diesem Bereich auf eigen geplanten Touren anwenden und noch mehr Erfahrungen sammeln was geht und was nicht geht. Nach meinem Unfall im Oktober 2022 im Ost-Taurus war ich nun auch sehr bedacht, mir nicht wieder irgendwas zu brechen und ging daher während der Touren nun umsichtiger vor und vermied zu große Risiken.

Um mich aber besonders für das härtere Gelände vorzubereiten, schaffte ich mir noch ein weiteres off-road fähiges Moped an. Ich entschied mich im Winter 2022 für eine 20 Jahre alte BMW F650GS Dakar. Mit 17.000 km Laufleistung, fast neuwertig - ich glaube sie hatte gerade mal die Fahrten von und zu den Werkstätten zur Inspektion gesehen - machte ich mich daran Anfang diesen Jahres die Maschine aufzurüsten für einen etwas härteren Einsatz. So wurden neben Sturzbügeln, stabielere Handguards auch ein neues Wilberts Fahrwerk verbaut. Damit war ich nun auch für eine Balkan Tour, die für September 2023 geplant war, gut gerüstet.


RTCA 2023 Treffen

Aber der Reihe nach. Mit all meinen nun bis dahin erlebten Reisen hatte ich mittlerweile einen großen Pool an sozialen Kontakten aufgebaut. Entweder über meine Trainings, meine Reisen oder auch über Facebook Gruppen. Somit wurde ich eingeladen zu meinem ersten RTCA Treffen in der Nähe von Porta Westfalica. Hier trafen sich rund 100 begeisterte Enduristen zu einem Wochenende und verbrachten tagsüber die Zeit mit dem Abfahren der vom Veranstalter Rolf Feldmann erstellten Rundtouren. Abends wurde gegrillt und einige Bierchen geleert.
(https://www.youtube.com/@RolfFeldmann, https://www.facebook.com/FMT.Franci.Memoriam.Tours


Und ich musste erkennen, auch in Deutschland ist das Off-Road fahren möglich. Man muss nur wissen wo. So wurde es ein kurzweiliges Event samt einem Besuch einer Enduro Rundstrecke und wieder  konnte ich neue Leute kennenlernen. Auch war dies meine erste Testfahrt mit der BMW und ich muss sagen, es ist schon ein gewaltiger Unterschied im Handling zu meiner schweren Africa Twin. Mit nur gerade 190 KG Leergewicht ist sie viel besser händelbar im schweren Gelände. Also, dachte ich mir, alles richtig gemacht, der Balkan kann kommen. 


ACT Italien Rundtour

Zu Mitte Mai ging es dann aber erstmal mit meiner Africa Twin auf grosse Reise nach Italien. 3 Wochen waren geplant  und diesmal auch nicht alleine. Seit 2021, als ich im Winter in Andalusien war für eine Tour, habe ich nun Kontakt zu einem Deutsch-Schweizer names Tom. Wir beide waren sehr heiss darauf unseren ersten ACT (https://adventurecountrytracks.com) zu erleben. ACT steht für Adventure Country Track und wird von der Firma Touratech in vielen europäischen Ländern mitterweile angeboten. Das sind Off-Road Tracks, die, wenn man Member ist, herunterladen und nachfahren kann. Die Touren sind extra für große Reise-Maschinen ausgelegt.

So planten wir ab Anfang diesen Jahres unsere gemeinsame Rundtour für den ACT Italien. Es sollte eine Rundreise quer durch Italien werden. Den Anfang sollte der ACT machen, anschliessend in den Süden und von dort aus über die Westküste, Abruzzen und Toskana zurück durch die Schweiz.

Start war am 13.Mai. Ich hatte mir noch zuvor einen klappbaren Motorradanhänger gekauft, mit dem ich nun die Anfahrt nach Zürich erledigte – das spart Reifen und ist auch für zukünftige Anfahrten zu Touren ein sehr komfortables Anreisen.


Ab Zürich ging es dann am nächsten Tag los und unser Ziel war Bertinoro, nördlich von San Marinio. Hier sollte die ACT Tour beginnen. Nach ca. 800 km in zwei Tagen kamen wir auch an. Nach Schneeschauern in den Alpen erwartete uns ein mildes Klima. Die Sonne schien und wir waren voller Freude nun die Offroad Tour am nächsten Tag zu beginnen. Da wir planten auf der gesamten Tour nicht zu Campen, sondern uns immer ein bis zwei Tage im Voraus entsprechende Unterkünfte zu buchen, hatten wir nun zum Einstieg ein tolles Hotel mitten oben auf einem Berg mit der Aussicht auf die Adria in weiter Ferne über das Flachland. Schon am späten Abend stellten wir fest, dass alle möglichen Parkplätze rund um das Hotel belegt waren und in der Nacht wussten wir auch warum. Es kam ein Unwetter auf, das mit mehr als 50l in der Stunde die Strassen in reissende Bäche verwandelte. Zwei Tage saßen wir fest, um uns herum im Flachland brachen die Deiche, Ortschaften wurden überspült und Strassen wurden weggerissen. Am dritten Tag liess der Regen nach und wir wagten unseren Einstieg auf die Tour. Allerdings war an Off-Roadfahren nicht zu denken. Die Schotterwege waren alle unter Wasser bzw. weggespült, tiefe Krater in der Fahrspur. So beschlossen wir das Katastrophengebiet zu umfahren gen Süden und erst am nächsten Tag weiter südlich auf den Track einzusteigen. Die ACT Touren sind immer auf mehere Tage aufgeteilt, so dass wir uns dann zum Startpunkt des zweiten Tages bewegten.



Ab dann kam Freude auf, auch manchmal Frust. Denn auch hier waren die Wege in schlechtem Zustand. Aber die nächsten 5 Tage kämpften wir uns durch. Mit einigen Umfallern, öfters mal das Gepäck abschnallen und den Berg rauf bzw. runter tragen. Aber wir kamen durch. Dabei lernten wir einsame Gegenden kennen wo kaum Tourismus ist, das italienische Landleben und die große Gastfreundschaft. Der Genuss an jedem Abend war dann ein leckeres Abendessen und dazu jeden Abend eine Flache Rotwein aus der entsprechenden Gegend. Nach ca. einer Woche waren wir dann am Ende der ACT Tour in Marina di San Vito angekommen. Überglücklich die Tour heil überstanden zu haben, machten wir uns auf in Richtung Süden nach Vieste und von dort aus an die Westküste nach Salerno. Heightleit war hier die Amalfi Küste. Bei der Überquerung mussten wir aber allerdings feststellen, so schön das Land und nett die Leute sind, die Strassen in Italien im Landesinneren sind scheusslich. Viele kaputte Strassen, teilweise massive Absenkungen und so war es oft sehr anstrengend die geplanten Kilometer am Tag zu schaffen.








Mit der von uns gewählten Reisezeit Mai/Juni lagen wir goldrichtig. Denn nirgends war es voll, selbst an der Amalfi Küste konnten wir ohne Stau entlang fahren. Die Restaurants waren leer und jederzeit fand man eine Übernachtung. So genossen wir nach aller Anstregung Off- sowie On-Road die Zeit in Italien und ich muss sagen, ich habe mich noch mehr in dieses Land verliebt. Nur gut das Tom fliessend Italienisch spricht, denn mit Englisch kamen wir gerade im Inland nicht weit. Aber umso mehr fiel uns immer wieder die Freundlichkeit auf, die uns begegnete. Nach 3 Wochen kamen wir wieder in der Nähe von Zürich bei Tom an. Und da unsere geinsame Erfahrung so positiv war, wir uns sehr gut verstanden haben, stets als ein Team handelten, stehen nun weitere Ideen für gemeinsame Touren wie in den Orient an. Jedenfalls kan ich sagen, dass ich in Tom einen Freund gefunden, mit dem man so etwas auch erleben kann, und das ist sehr viel wert.



 Brandenburgische Sandkiste

Nach einer etwas längeren Verschnaufspause nach der Italien Rundtour ging es dann zu Ende Juli nach Brandenburg. Hier hatte ich mich für eine Off-Road Tour vom Veranstalter Aplers (https://www.hm-tour.de/), den ich ja schon von meinen Türkeireisen kenne, angemeldet. Thema dieser Reise war: Das Befahren von Sandpisten zu erlernen.

Wie ich schon zu Anfang des Jahres durch das RTCA Treffen feststellen musste, gibt es einige Möglichkeiten auch in Deutschland abseits der Strasse zu fahren. Und gerade hier in Brandenburg existieren noch viele alte Verbindungswege zwischen den Dörfern, die man mit guten Gewissen als Off-Roads bezeichnen kann. Tiefe Sand- und Schotterwege, offiziel erlaubte Strecken durch die Wälder und noch mehr, liessen mein Herz höher und schneller schlagen. Denn das Befahren von Sand erforderte Mut. Erst ab einer Geschwindgkeit von ca. 50 km/h fängt das Surfen auf dem Sand an. Leicht den Körper im Stehen nach hinten legen, den Lenker locker in der Hand und schon gleitet man man über die Sandpiste – allerdings bei mir nur bis zur nächsten engen Kurve. Aber von Tag zu Tag wurde es besser, und zum Schluss waren Geschwindigkeiten von ca. 80 km/h möglich. Dabei half aber auch mit, das es immer wiedermal etwas regente, so dass die Oberfläche im Sand etwas nass war. Nur allerdings als zu letzt Fahrender half mir das auch nicht. Jedenfalls war es ein kurzweiliges Erlebnis und nun weiss ich, wenn ich zu meinen Eltern, die in Brandenburg am Rande von Berlin leben, fahre, so werde ich desöfteren meine kleine BMW mitnehmen und die brandenburgische Sandkiste erkunden.








Balkan Tour

Wieder ein Monat später ging es dann auf die Balkan-Tour. Hierfür haben wir uns zu Dritt gefunden - Jan, Jens und ich. Wir hatten uns vor einem Jahr auf einem Enduro Training kennengelernt und es war damals schon schnell die Rede von einer gemeinsamen Tour. Da wir uns aber noch nicht so richtig kannten, wollten wir uns erst mal in der Teamfähigkeit erproben. Hierzu trafen wir uns für ein verlängertes Wochenende im Weserbergland kurzzeitig nach meiner Italien Tour. Zu Dritt in einem Appartment, gemeinsames Kochen und Touren zeigte uns allen recht schnell, das könnte klappen mit uns. So startete unsere gemeinsame Tour am 09. September bei mir zu Hause. Jens kam aus Bremen, Jan aus dem Taunus zu mir. Ich besorgte den Anhänger für 3 Motorräder (http://www.feld.email/) und mit vollgepackten Auto ging es langsam, sehr langsam nach Villach in Östereich. Hier war unser Startpunkt der Tour und unser Autogespann für die nächsten 2 Wochen konnten wir auf dem Campingplatz parken. Mit unserer Vorfreude auf das Kommende waren dann auch die 12 Stunden Fahrt gut zu ertragen. In Villach angekommen, startete unsere Off-Road Tour für die kommenden 2 Wochen durch Slowenien, Kroatien und Bosnien. Diesmal war kein Hotel angesagt, es sollte ausschliesslich gezeltet werden. Auch mal frei in der Natur, abseits jeglicher Zivilisation. Und das war auch gut möglich, denn wir fuhren auf dem TET, Trans Euro Trail https://transeurotrail.org/ , ein Verbund von Linesmans aus verschieden europäischen Ländern, die mittlerweile über 50.000 km zusammegetragen haben an Off-Roadstrecken.



Den ersten Tag kann man unter „Erfahrung sammeln“ verbuchen. Denn hier in den Ländern ist es schon was anderes off-road zu fahren. Auch ist die Navigation anspruchsvoller, denn man bewegt sich fast nur auf Nebenstrecken bzw. kleinen Wegen oder Pisten, abseits der Dörfer. Die Strecken waren alle sehr gut trocken, so dass wir nicht wie in Italien mit Matsch oder zerrissenen Wegen zu kämpfen hatten. Aber oft mit losem und tiefen Schotter, der uns höchste Konzentration besonders abwärts abverlangte. Ich war froh meine kleine BMW unter mir zu haben. Ein tiefer Schwerpunkt war zu dem vielen Gepäck, ca. 40kg, von Vorteil. Und so genoss ich die Fahrten durch die slowenischen Wälder, Schotterpisten in Kroatien und Geröllpisten in Bosnien. Wie gesagt, die Strecken führten auf einsamen Wegen entlang, selten sah man Menschen, wenn nur in den kleinen Dörfern, die wir durchquerten und öfters auch mal wilde Hunde, vor denen ich einen heiden Respekt hatte, da sie wie eine Bande am Wegesrand lauerten, um den nächsten Endurofahrer zu überfallen. Aber bei Angriff mal kurz heftig Gas geben, mit den Beinen zur Seite treten, hatte uns immer schnell aus dieser Gefahrenzone gebracht.






Das hier vor noch ca. 20 Jahren ein heftiger Krieg war, konnten wir an vielen Häusern ablesen. Einschusslöcher überall, viele kaputte, zerbombte Häuser. Wobei viele Dörfer mittlerweile wie Geisterstädte sind, denn kaum ein Mensch lebt hier noch. Je weiter wir in Richtung Süden kamen, fiel uns das auf. Und spätestens in Bosnien fühlte man sich in eine andere Zeit versetzt. Recht einfaches Leben, oft weit auseinander auf Gehöften, leben die Menschen mit wenig Luxus bis hin zu gar keinem. Aber umso mehr war ich von deren Freundlichkeit, Offenheit und keinerlei Scheu vor Kontakkt mit uns drei vermumten Endurofahrern angetan. Mit Raki und Slivowitz wurden oft die erste Gespräche eingeläutet, aber auch mit Händen und Füßen.

Die Tage verannten nur so, nach wenigen Tagen hatte ich mich an das Ritual mit Zelt auf- und abbau gewöhnt. Die Hitze, die ich bereits am Morgen spürte, konnte ich auch immer besser vertragen. Und aufgrund einer neuen Schlafmatratze hatte ich auch keine Rückenprobleme mehr. Die Kleinigkeiten auf solchen Touren sind manchmal ausschlaggebend. Mit dem besagten Zeltabbau und zusammenpacken, einem Frückstück, meist bestehend aus Haferflocken, Milch und Apfel kamen wir oft erst um 10:00 weg vom Campingplatz. Da auch das Fahren abseits der Strassen recht anstrengend ist und wir jeden Tag so ab 17:00 eine neue Übernachtung suchten, waren unsere geschafften Tageskilometer doch sehr überschaubar. Aber wie sage ich immer: Der Weg ist das Ziel. So machten wir uns alle auch keinen Druck und beschlossen uns nach 7 Tagen zu beraten, ab welchen Punkt wir wieder in Richtung Norden fahren. Denn für die Rücktour bis nach Villach waren min. 2 Tage einzuplanen und da wir nicht nur Autobahn fahren wollten, mussten wir pünklich in Richtung Norden aufbrechen. Südlich von Split ging es dann wieder teilweise Off-Road aber auch zunehmend auf kleinen Strassen gen Norden, dabei durch das Winnetou-Land in der Nähe von Zadar bis nach Ljubljana, der Hauptstadt von Slowenien. Und wir waren alle überrascht, was für eine tolle Stadt das ist. Ein Stadtkern mit gut erhaltenen alten Gebäuden, einer Burganlage hoch über der Stadt und ein pulsierendes Leben durch die vielen jungen Studenten aus aller Welt. Diese Stadt ist definitiv eine Reise wert.








Auch bei dieser Reise hatten wir uns als Team zusammen gefunden, stets bedacht auf den anderen, helfend in Notlagen oder auch nur das alltägliche gemeinsame Kochen taten wir mit viel Freude zusammen. Mal wieder welch ein Glück solche Menschen zu kennen.


 

TET Frankreich - Section 13

Den Abschluss meiner Touren für dieses Jahr war dann über den 3.Oktober ein spontaner Trip auf einem TET in Frankreich. Eine Strecke, die ich schon bereits vor 2 Jahren erprobte aber nicht geschafft hatte. Damals wie heute nahm ich aber hierzu meine schwere Africa Twin. Ich wollte erproben, wie weit bin ich nun in meinem Können solche Strecken auch mit einer schweren Reisemaschine zu befahren. Denn im Hintergrund steht ja schon meine nächste längere Rundreise durch Spanien und Portugal im nächsten Jahr fest und hier werde ich auf ACT, TET Strecken unterwegs sein. Und ich muss sagen, es klappt. Ich habe ein sicheres Gefühl, auch bei technisch anspruchsvollen Passagen kann ich nun mich sicher bewegen. Und mit diesem großartigen Gefühl gehe in die Winterpause und hoffe all meine Pläne im kommenden Jahr umsetzen zu können.








Ich hoffe, es hat Spass gemacht meinen Bericht für dieses Jahr zu lesen und bedanke mich sehr für dein Interessse.


Eine angehme Winterzeit und bis zum nächsten Jahr


Euer Stefan


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