Ausgangspunkt war dann auch wieder Antalya am 15.Oktober. Ich kam schon rechtzeitig im Hotel an und konnte so erst mal den Schlaf nachholen der vergangenen Nacht. Als zweiter Teilnehmer kam dann ein Bekannter von der letztjährigen Westtaurus Tour an. Und schon kamen wir wieder in ein lustiges Gespräch. Nach und nach trudelten dann die weiteren Teilnehmer ein und mit Guide waren wir dann 8 Fahrer. Zu meiner Überraschung wurde uns dann am Abend im Briefing mitgeteilt, dass es die Möglichkeit gäbe unser Gepäck in einem Begleitfahrzeug transportieren zu lassen. Und für das Steuern des Geländewagens stellte sich eine junge Frau vor, die wohl einige Erfahrung im Gelände aufzeigen kann. Schon mal dazu: warten mussten wir auf sie nie, schnell kam sie auch in schwierigen Gelände hinterher und den Luxus eines Begleitfahrzeuges haben wir alle recht schnell schätzen gelernt.
So ging es dann am Sonntag zum Verleiher, wo die Motorräder auf uns warteten. Eigentlich hatte ich ja aus meinen Erfahrungen vom letzten Jahr die Tour nur machen wollen, wenn es auch neuere Mopeds geben würde. Da es aber in der Türkei zum einen nicht günstig ist Motorräder zu kaufen aufgrund der hohen Luxussteuer und zum andern auch Probleme mit der Versorgung von Ersatzteilen gibt, versprach mir der Veranstalter, das diesmal die Mopeds gründlich vorab gewartet werden. Angekommen wurde mir dann wieder eine Tenere 700 (aus ca. 2003) zugeteilt und es war die mit der ich auf der letzten Tour am ersten Tag liegen blieb. So machte ich drei Kreuze und hoffte, dass diesmal alles glatt geht.
Dann ging es schon los und wir fuhren in Richtung Osten in das Gebirge. An der Küste noch recht warm mit ca. 28 Grad, wurde es merklich kühler je weiter wir uns hoch schraubten. Dabei war es wieder ein Wechselspiel zwischen kleinen Landstraßen – mit ordentlich Dreck und Schotter auf und neben der Straße – und Offroad Pisten, mal Schotter und auch mal aufgeweichter Boden aufgrund der Regenfälle. Wir kamen gut voran und erreichten am späten Nachmittag unser Hotel in Beysehir.
Route: https://www.relive.cc/view/v1Ow9NP9JEq
Der zweite Tag startete schon recht früh und das hatte sich dann
auch nicht mehr bis zum Ende geändert. 06:30 Uhr aufstehen, ab 07:00 Frühstück
und bereits um 08:00 fahrbereit sein.
So ein Abenteuer ist auch in dieser Hinsicht eine
Herausforderung!
Los ging es dann bei trüben Wetter weiter in die Berge hinein nach Ermenek. Und ich freute mich, denn heute war die erste Etappe mit 100km nur Offroad in einem Stück angesagt. Auch kletterten wir mit den Mopeds noch weiter hinauf auf ca. 1.900m. Angekommen am Beginn des großen Offroad Abschnitts mussten wir leider feststellen, dass bei diesen Verhältnissen – über Nacht hatte es ordentlich geregnet – es nicht in der vorgestellten Zeit möglich war die Offroad Strecke zu fahren, denn der Boden war nur schlammig und das höchstwahrscheinlich auf der ganzen Strecke. Also wurde vom Guide die Route umgeplant. Dennoch hatten wir wieder herrliche Landschaften und auch teilweise tolle Offroad Pisten dabei. "Grandiose Aussichten", "Atem beraubende Landschaften" und das Eintauchen in die Gebirgswelt waren angesagt. Und dann kommen wir am Hotel an und man kann es nicht glauben, ein wunderschönes Hotel mitten in der Berglandschaft!
Route: https://www.relive.cc/view/vevYJXAnpJO
Bei schönstem Wetter starteten wir in die nächste Etappe. Heute war das Ziel die Küste zu erreichen bei Kiskalesi.
Gut gelaunt startete ich mit der Gruppe, die sich schon am ersten Tag richtig toll entwickelte mit viel Spaß, aber auch Zusammenhalt und Rücksicht. Und dann nach ca. 7km ging meinem Moped die Luft aus, ein lauter Knall aus dem Auspuff mit einer schwarzen Qualmwolke versprach nichts Gutes.
Theorien wurden entwickelt, was die Ursache sein könnte und ich hoffte, dass wir es beheben können. Es wurde mit dem Verleiher telefoniert und als erstes sollten wir die Zündkerze wechseln. Nach einiger Anstrengung hielten wir sie in den Händen und die sah nicht gut aus. Nach dem Einbau einer Neuen drückte ich innerlich die Daumen und hoffte auf eine Weiterfahrt auf dem Moped und nicht im Auto. Vorsichtig und mit viel Gefühl wurde die Maschine gestartet und siehe da, sie sprang sofort an und lief. Sie lief sogar so gut, dass ich meinte ich hätte 10 PS mehr zwischen meinen Beinen! Ich war glücklich!
Weiter ging es in Richtung Küste, wieder im Wechselspiel zwischen On- und Offroad. Es wurde merklich wärmer, die Motorradklamotten wurden immer luftiger. Diesmal hatte ich nicht meine Standardkombi mit, sondern aus meinen vergangen Offroad Touren hatte ich mir bereits geeignete Ausrüstung zugelegt, die ich jedem Wetter anpassen kann.
Zum Nachmittag hatten wir dann den nächsten Reparaturfall. Eine Verkleidungseinheit an einem anderen Moped löste sich auf an der Halterung. Aber was soll man dabei haben auf solchen Touren: Panzerband und Kabelbinder. Das hilft immer!
Wir kamen recht früh an am Hotel und so gab es noch die Gelegenheit ins Meer baden zu gehen wer wollte.
Route: https://www.relive.cc/view/vXOnKG3YX56
Am vierten Tag stand dann das Highlight der Tour auf dem Programm. Die Überquerung des Osttaurus Gebirges, und dies nur Off-Road. 100 Km Piste stand uns bevor, hoch hinauf auf ca. 2.300m. Über Stock und Stein, mal geschobene Schotterpiste, Eselpfade oder rote Sandpisten schraubten wir uns immer weiter hinauf. Dabei veränderte sich die Landschaft zunehmend in eine karge Felslandschaft, Dörfer oder kleine Ansiedlungen von Menschen wurden Mangelware. Die einzigen, die noch zu dieser Zeit hier oben leben, sind die Nomaden, die sich nun auf den Winter vorbereiteten und ihre Zelte abbauen.
Rasant ging es zur Sache. Ich fuhr als zweiter hinter dem Guide und das Adrenalin schoss nur so durch meinen Körper. Was für ein Freiheitsgefühl hier oben! Und dann, ja dann wurde ich abrupt gestoppt. Einen Wechsel von Schotter- auf Sandpiste wurde von mir falsch eingeschätzt. Oberflächlich sah der der Sand fest aus, doch das war ein Trugschluss. Ich kam mit hoher Geschwindigkeit hinein und mein Motorrad sank ein und die Reifen war in nu voll mit dem Schlamm, das Motorrad fing wild an, am Lenker zu schlagen und ich konnte es nicht mehr beruhigen, wie ein wildes Pferd. Daher ließ ich den Lenker los und wollte abspringen, aber einen Moment zu spät, denn schon fiel das Moped auf die linke Seite und klemmte mir meinen linken Fuß unter der Schwinge ein. Zum Glück war der Boden weich, so dass der Schlamm die Rutschpartie schnell beendete. Doch als ich aufstand merkte ich da stimmt etwas nicht. Schmerzen beim Auftreten und der Fuß pochte wie wild. Ich wollte erstmal gar nicht meinen Stiefel ausziehen und bat um eine Schmerztablette, die sich aber im Auto befand, nur wo war das Auto? Der Guide sagte, es sind nur noch 2 km bis zur Stelle für die Pause, und wir fuhren erst mal hin. Und dann, wo war das Auto und die andere Hälfte der Gruppe? Hektik kam auf, denn hier oben gibt es zahllose Abzweigungen und schnell kann man sich verfahren, obwohl alles hier oben so kahl war. So wartete ich und andere machten sich auf die Suche. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir wieder alle zusammen und ich bekam meine Schmerztablette. Nun waren wir aber mitten im Niemandsland und das hieß, ich muss bis zum Hotel in Karaman durchhalten. Ich machte den linken Stiefel ganz fest zu, so dass ich den Fuß nicht mehr bewegen konnte. Das half auf den weiteren Abschnitten und gab mir ein gutes Gefühl von Sicherheit. Im Hotel angekommen zog ich meinen Stiefel aus uns sah wir angeschwollen mein Fuß war. Die Schmerzen konnte ich gut betäuben mit den Tabletten und hoffte, dass ich am nächsten Tag noch in den Stiefel komme. An einer Apotheke holte ich dann einen Druckverband und hoffte somit die Schwellung in Grenzen zu halten.
Bei einem gemütlichen Abendessen in dem Luxushotel erholte ich mich etwas und die Nacht über konnte ich schlafen und meine Gedanken waren bereits beim morgigen Tag.
Route:https://www.relive.cc/view/vmqXB2Y5VoO
Und wieder ging es zurück an die Küste nach Alanya. Mittlerweile nährten wir uns dem Ende der Reise. Ich war gespannt wie ich die nächsten zwei Tage mit meinem "Klumpfuss" überstehe. Früh ging es los, schönstes Wetter begleitete uns den ganzen Tag. Das hieß wieder luftig anziehen. Auch in meine Stiefel kam ich einigermaßen rein, eng zu geschnallt merkte ich auf den nächsten Tagen kaum etwas.
Heute durchfuhren wir grandiose Canyons, mal Straße mal Waldwege. Diese Küstenlandschaft sagte mir mehr zu als das Hochgebirge, für das Auge einfach abwechslungsreicher. Schnell verflog der Tag und für die Mittagspause gingen wir mal wieder in ein kleines Restaurant am Straßenrand. In Alanya erwartete uns dann ein schönes Hotel direkt am Hafen. Wir kamen zum späten Nachmittag an und die Hauptstraßen waren wieder mal verstopft. Das kannte ich ja bereits von meiner Hard-Enduro Tour von Februar dieses Jahres. So kamen wir nur langsam voran, wobei es nicht ganz einfach war, das wir uns in dem Gemenge nicht verloren. Bei einigen Mopeds gingen die Warnleuchten an, Kühlwasser trat aus und wir mussten feststellen, dass bei einigen Mopeds die Kühlung über den Ventilator nicht mehr funktionierte. Aber bis zum Hotel schafften es alle.
Route: https://www.relive.cc/view/veqzXBDpp7O
Tag 6 brach an. Dies war nun unsere letzte Etappe. Es sollte über das Hinterland noch mal über kurvige Straßen und Offroad-Wege entlang der Küste zurück nach Antalaya gehen, zu unserem Ausgangshotel. Es war warm, sehr warm gegenüber den letzten Tagen in den Bergen. Nach dem Auffüllen der Kühler ging es dann auch schon wieder los. Schnell kamen wir an den Rand des Gebirges und auf schönen Waldwegen, mal Sand mal Steine oder Schotter ging es flott voran. Mit mir noch zwei andere fuhren wir dem Guide zügig hinterher bis wir an einem Fotopoint auf die anderen warteten, aber sie kamen nicht. Der Guide fuhr zurück und kurze Zeit später erhielt ich die Nachricht, kommt auch denn es wird dauern die festgefahrene Kette zu entknoten und auszutauschen. Na prima, dachte ich so. Das Gleiche ist mir letztes Jahr auch am letzten Tag passiert und auch mit derselben Maschine.
So wurde die nächsten 2 Stunden gwerkelt, zum Glück gab es eine Ersatzkette. Alle waren stolz, dass dann geschafft zu haben. Doch beim ersten Test merkten wir, da stimmt etwas mit dem Getriebe nicht mehr. Wir denken, aufgrund der festgesetzten Kette wurde das Getriebe beschädigt.
Da wir nun so viel Zeit für die Reparatur benötigten und wir ja heute Nachmittag noch die Motorräder abgeben mussten, brachen wir die Tour ab und machten uns auf den Weg die letzten 100km über die Küstenstraße zu absolvieren. So schafften wir es auch noch rechtzeitig zum Verleiher und nach Rückgabe, Bewertung der kaputten Teile, Abschlag zahlen, ging es im Taxi zurück zum Hotel.
Mit einem schönen Abendessen und der Leerung einer ganzen Flache Raki ging dann der letzte Abend auch schnell vorbei und ich fiel in einen tiefen Schlaf.
Route: https://www.relive.cc/view/vYvE353rEw6
So, das war es mal wieder. Die Tour hat mal wieder alles gehalten, wie der Name schon aussagt: ABENTEUER
Es war wieder spannend, wie sich eine Gruppe aus gleichgesinnten über die Tage näher kam. Mit viel Spaß, Ausgelassenheit haben wir sicherlich den Guide an seine Grenzen gebracht. Und doch wussten wir alle, wenn es mal ernst wird oder auch Situationen gab, dem Guide und seinen Ansagen folgen zu müssen.
Es war mir eine Ehre mit allen diese Tage verbracht zu haben und die Erinnerung daran wird mich noch lange begleiten. Eventuell sehe ich den einen oder auch anderen auf einer der nächsten Touren. Denn hier kann man Abenteuer erleben und dazu gehört es auch, dass nicht immer alles perfekt laufen muss.
In diesem Sinne, ich wünsche allen Lesern einen ruhigen Start in die Winterzeit.
Euer Stefan
Hallo Stefan, ich habe soeben gesehen, das Du die RTCA Gpx Dateien in wikilocs veröffentlicht hast. Könntest Du die bitte löschen. Vielen Dank.
AntwortenLöschenGruß Rolf
Hallo Rolf, sorry die waren aus 2023 noch vorhanden- ist aber jetzt erledigt, Gruß Stefan
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