Dienstag, 28. Mai 2024

2024 -ACT - 27.Tag - Ost-Umfahrung der Pic de Europe

Heute hatte ich wieder richtig Lust auf Motorradfahren. Breits am frühen Morgen schien die Sonne und es versprach ein sonniger Tag zu werden. Im Vorfeld hatte ich mir bereits zwei Touren zusammengestellt. Einmal die West-Umfahrung der Pic de Europe und einmal die die Ost-Umfahrung. Ich entschied mich für die Ost-Route, da auch hier die Durchquerung der Berge von Süd nach Nord eingeplant war.

So ging es nach einem kleinen Frühstück bereits um ca. 09.30 los. Und zuerst wollte ich in ein Bergdorf, dass als Sackgasse im nördlichen Teil ausgewiesen war. Bei der Hinfahrt kam ich auch an dem bekannten Wanderweg " Ruta del Carres" vorbei, den ich eigentlich wandern wollte. Bereits zu so früher Stunde standen aber schon viele Autos am Seitenstreifen und es sah so aus, als wäre dieser Wanderweg eher eine Boulevard-Meile. 

So fuhr ich weiter in die Schlucht hinein, die mich in das Bergdorf Tresvisio bringen sollte. Es ging hoch hinauf, auf einsamen Bergkämmen standen die Pferde und auch die Kühe mit ihren Kälbern auf der Straße, und die Umgebung war atemberaubend. Was für eine Kulisse, und total leer, selten kam mir ein Auto entgegen. Angekommen suchte ich mir die Dorf-Bar, diese war schnell gefunden bei den 10 Häusern hier oben, und nahm meinen obligatorischen Cafe de Americano. Kaum saß ich auf der Terrasse kam ein Motorradfahrer an, den ich heute Morgen durch Zufall von meinem Balkon in der Ferienwohnung gesehen hatte, und er fiel mir auf, da er ein Kölner Kennzeichen hat. Er sah mich, ich ihn und wir beide mussten schmunzeln. So lernte ich HaJo aus Köln kennen, ein "Privatier", der auch gerne alleine durch die Lande fährt. Wir waren uns sympathisch und so kam ein längeres Gespräch auf und bei der Verabschiedung tauschten wir unsere Kontakte aus. Vielleicht ergibt sich ja kurz-oder mittelfristig etwas Gemeinsames. Jedenfalls zeigte er Interesse an der für 2025 geplanten Marokko-Reise.

Dann hieß es für mich den ganzen Weg der Schlucht wieder zurückzufahren und einmal östlich um das Bergmassiv zu fahren, damit ich am südlichen Einstiegspunkt der Off-Road Strecke ankomme, die einmal von Nord nach Süd durch die Pic de Europe führt. Beim Verlasen der Schlucht kam ich am Ausgang dieser Strecke an und überlegte mir, ob ich die nicht lieber von Nord nach Süd fahre. Ich entschied mich dagegen, was später sich rächen sollte. So machte ich mich auf die Umfahrung, die auf einer etwas größeren Straße doch schnell vonstattengehen sollte. Aber denkste, diese Straße wird in den Schluchten derzeit überall saniert, ganze Fahrspuren werden erneuert, und nach der fünften Baustellenampel hörte ich auf zu zählen. Die Rotphasen waren solange, dass ich immer genügend Zeit hatte an meiner E-Zigarette zu ziehen.

So kam ich doch später am südlichen Einstiegspunkt der Off-Road Strecke an als gedacht. Aber ich hatte ja Zeit, keiner wartete heute auf mich und auch wollte ich mal heute Abend essen gehen, und da in den Restaurants die Küchen erst gegen 20.30 aufmachen, hatte ich also genügend Zeit.

Ich hatte mich für diese Fahrtrichtung, Süd nach Nord, daher entschieden, da die südliche Rampe hoch auf den Pass viel mehr Höhenmeter aufwies auf kurzer Strecke als die nördliche Rampe. Aber zu meinem Erstaunen war diese Strecke kein Schotterweg, sondern zum größten Teil mit einem Betonüberguss versehen. So kam ich diese steile Steigung doch recht zügig hinauf und konnte dann an den Wanderern oben auf der Alm ganz gemütlich über Schotterwege vorbei fahren. 

Als ich ganz oben ankam, machte ich erstmal eine Brotzeit, denn durch die Schlucht oben am Pass nach unten zeigte sich ein schmaler Schotterweg auf einem Bergkamm, der auch teilweise recht steil nach unten ging. Aber beruhigt und gelassen ging ich nach der Brotzeit ans Werk für den Abstieg. Die ersten Kilometer gingen noch ganz ordentlich, obwohl größere Gesteinsbrocken im Weg lagen. Ja und dann wurde es zunehmend steiler, der Untergrund verwandelte sich in loses Geröll, kein Schotter sondern eine Anhäufung von großen und mittel großen Steinen. Dazu noch Serpentinen und da wo ich hätte etwas mehr festen Boden haben können, lag entweder Kuhdung oder die Kühe selber standen dort und starrten mich an, wie Zaungäste, als würden sie sich sagen: Da schau her, wieder so ein Irrer und ich hatte den Eindruck, sie würden Wetten abschließen wo und wann ich stürze.
Ich fuhr auch direkt auf sie zu, aber erst im letzten Augenblick gingen sie einem halben Meter bei Seite und ich hatte keine Lust Bekanntschaft mit ihren Hörnern zu machen. Dazu kam nun auch noch, das ich keinen gescheiten Hinterradreifen für diesen Belag habe. Er ist für so etwas grobes gar nicht ausgelegt, und so rutsche mir das Hinterrad permanent beim Blockieren zur Seite weg und brachte das ganze Motorrad in Unruhe. So quälte ich mich hinunter. Merkte wie eine Unsicherheit in mir aufkam und das Bedenken, ich stürze noch mal auf meine rechten Fuß.

Gefühlt nach einer Ewigkeit kam ich an einem alten Bergdorf an und brauchte erstmal eine Verschnaufpause. Und plötzlich hielten neben mir zwei Portugiesen an, kommend aus meiner Richtung, d.h. die sind auf dort herunter gefahren, allerdings hatten sie keine Off-Rad Mopeds sondern Sport-Maschinen. Da konnte ich nicht mehr, und dachte so bei mir, warum hast du dich eigentlich so komplett verkrampft und blöd angestellt? Ich denke, ich habe einfach zu großen Respekt davor noch mal auf meinen rechten Fuß zufallen und das macht mir die ganze Sache zur Zeit schwerer. 

So kam ich auch erst gegen 19.00 an meiner Wohnung wieder an. Gegen 20.30 fuhr ich los, um ein Restaurant mir auszusuchen. Aber weder in diesem Dorf noch im Nachbardorf gab es ein Restaurant das entweder offen hatte oder keine 40 Minuten Wartezeit auf einen Tisch. Kurzerhand machte ich mich auf den Weg zum Supermarkt und kam 5 Minuten vor Schließung an. Die Dame von de Kasse wollte gerade abschließen, hatte aber Erbarmen mit mir und ich konnte noch schnell ein paar Dinge zum Kochen einkaufen. 

Jetzt nach dem Essen schreibe ich diese Zeilen und es geht schon wieder auf Mitternacht zu. Morgen möchte ich die West-Umfahrung machen, mal sehen ob eventuell sich HaJo anschließt. Es soll aber auf jeden Fall Off-Road vermieden werden. Dazu will ich erst wieder einen anderen Reifen mir in Bilbao besorgen. Tom, mein Schweizer Freund, macht sich gerade fertig  und wird am Wochenende aufbrechen. Wir treffen uns bereits heute in einer Woche in Bilbao.

Und hier wieder die Tour vom heutigen Tag und ein paar Fotos:
https://www.relive.cc/view/vMq53knmZ8O


































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