- Nachtrag -
Heute war also der letzte Tag im Linksverkehr. Nach einem letzten englischen Frühstück ging es letztmalig über die Südküste wieder zurück nach Plymouth, wo meine Fähre um 22:00 Uhr auslaufen sollte. Zwei Stunden vorher wollte ich auf alle Fälle da sein. So hatte ich aber genügend Zeit auf den ca. 200 km mir einzelne Buchten anzuschauen, sowie den südlichsten Punkt von England, genannt "The Lizard". Als ich am Parkplatz ankam, wurde ich von zwei netten Parkwächtern begrüßt und sie sagten, ich solle mein Motorrad direkt an ihrem Häuschen abstellen. Als ich fragte was mich das Parken denn hier kostet, sagte einer der netten Herren, es wäre schön könnte ich ein Pfund in ihre Spendenbüchse werfen. Das nenne ich mal wieder englische Gastfreundschaft. Nach einer kleinen Besichtigungstour und einem Kaffee später ging es zur nächsten Bucht, und noch zu einer. Aber die Wege dahin, wie bereits gestern geschrieben, führten stets über ganz, ganz schmale Straßen, nun auch teilweise mit 25% Steigung, Dreck und Schotter und engen Kehren. Ja, und dann kam was ich befürchtet hatte. In einer der besagten engen Kehren mit ordentlicher Steigung, nicht einsehbar durch die hohen Hecken, schoss mir einer kleiner Müllwagen entgegen. Der Fahrer war wie ich total erschrocken, wir beide bremsten abrupt ab, nur er rutschte weiter. Dank meiner guten Reaktion, ich machte gleich ein Ausweichmanöver in die Hecke, vermied ich, dass er mein Vorderrad berührte und somit mich samt Motorrad zu Fall gebracht hätte. Auch ich rutschte noch im Stand nach unten und konnte nur mit Hilfe meiner Feststellbremse, an der linken Hand da ich ja keine Kupplung bei Automatikgetriebe habe, zum Stehen kommen. Der erste Schreck saß tief, ich fragte ob er zurücksetzen könnte, was er aber verneinte, da der nächste Pacing Place sehr weit entfernt wäre. So lag es an mir meine Maschine in dem steilen Hang und schmalen Fahrbahn zu wenden und den Aufstieg wieder herab zu fahren. Ich ließ mir Zeit, denn Hektik ist hier falsch am Platz. Als ich dann eine Stelle weiter unten gefunden hatte wo er mich überholen konnte, überlegte ich kurz ob ich die Stelle nicht meiden sollte. Aber nein, ich wollte es nun jetzt noch mal probieren, und zwei Mal in kurzer Zeit kommt da sicherlich mir keiner entgegen. So war das auch, unbeschadet hatte ich die Passage dann geschafft. Allerdings gab es mir zu denken. Es war bereits Mittag, die Sonne schien und mein Motor strahlte schon eine deutliche Hitze ab. So brach ich weitere Besuche von Buchten ab und nahm von da an nur noch breitere Hauptstraßen.
Vielleicht ist es euch schon aufgefallen anhand der Fotos von den "grünen Tunneln", die ich nun häufig in England durchfahren bin: Sie sind immer Kreisförmig geschnitten. Das liegt daran, das zwei Mal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, die Hecken und Bäume mit einer speziellen Kreissäge, mehrere Meter im Durchmesser, von einem speziellen Fahrzeug abgefahren werden.
So hatte ich noch genügend Zeit mich in ein Restaurant in einer Bucht zu setzten, die leicht erreichbar war, und war dennoch der erste Motorradfahrer, der in der dafür ausgewiesenen Reihe am Hafen stand. Schnell füllte sich die Reihe mit anderen Motorrädern und auch Radfahrern und wir kamen alle wieder in ein Gespräch. Vorher musste ich aber bei der Ausreise in die Extra- Spur für Fahrzeugkontrolle. Ich wurde gefragt ob ich Messer, Petroleum etc. dabei habe. Natürlich hatte ich bei meiner Campingausstattung ein Besteck dabei, allerdings die Frage nach Benzin in meinem erkennbaren Kanister verneinte ich. Er ist natürlich voll!. Aber als ich das Besteck zeigte und der Kontrolleur das abnickte kam sein junger Kollege und fragte was denn in dem Kanister wäre. Sein Vorgesetzter, vom Alter her, sagte nur: Wasser – wie genial, ich bedankte mich innerlich sehr bei diesem verständnisvollen Herrn!
Als Erster durfte ich dann auf die Fähre fahren, das war für mich neu. Und prompt patzte ich. Die Einweisung wo ich mich hinzustellen habe, habe ich erst nach wilder Gestik von zwei Matrosen richtig verstanden. Na ja, nun weiß ich auch was das Fuchteln mit den Armen zu bedeuten hat.
Ab unter die Dusche und wieder rauf auf das Deck und das Auslaufen beobachten. Trotz wiederholter Ansage, man solle doch seine Alarmanlage ausstellen, ging natürlich beim Anlassen der Schiffsmotoren viele Alarmanlagen im Hupkonzert an.
Jetzt liege ich in meiner Koje, schreibe schon mal den Bericht von heute. Den Bericht und die Bilder wird es heute noch nicht geben, die WLAN Qualität reicht dafür nicht aus. Ankunft ist morgen Früh um acht Uhr. Ist schon merkwürdig, die Strecke ist nicht viel länger als die von Irland nach England und hier war die Fahrzeit nur 4,5 Stunden. Eine Erklärung gab mir heute ein Engländer: Nachtfahrten werden ausgedehnt, damit das Hafenpersonal nicht mit extra Nachtzuschlägen bezahlt werden muss. Also fährt das Schiff nur mit halber Kraft. Gewusst wie!
Und nun schlafe ich mit dem Gedanken ein, ob ich mich morgen Früh wieder im Rechtsverkehr zurecht finden werde.
Und hier die Bilder und die Tour vom Tag: https://www.relive.cc/view/veqzmp8X276
| St. Michael's Mount |
| The Lizard |
| Grüner Tunnel |
| Erster! |
| Goodbye UK |
Die grüne Hölle
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen